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"Auf den Schöpfer schauen"

psylvester hungertuchMünster. In dem von seinem Landsmann Tony Nwachukwu gestalteten Misereor-Hungertuch zur Schöpfungsgeschichte Gottes sieht der Priester Sylvester Ihuoma deutliche Bezüge zu seiner nigerianischen Heimat: Fröhlichkeit, aber auch Armut und Hunger. Der promovierte Theologe ist Seelsorger für die Katholiken aus Afrika im Bistum Münster und Pfarrer in der Pfarrgemeinde Heilige Edith Stein in Münster.

Es ist farbenfroh und zugleich ernsthaft. Es richtet den Blick auf die globalen Probleme der Gegenwart und hat seine Grundlage doch im biblischen Schöpfungsbericht nach Genesis. "Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können" ist das Leitwort des Hungertuchs, das vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor für die Jahre 2009 und 2010 jetzt vorgestellt wurde. Das Hungertuch wird in der Fastenzeit in vielen Pfarrkirchen ausgehängt. Der nigerianische Künstler Tony Nwachukwu hat es gestaltet.

Pfarrer Sylvester Ihuoma, Nigerianer und Seelsorger für die afrikanischen Katholiken im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster, kann dem Werk seines kreativen Landsmanns Nwachukwu vieles abgewinnen. Insbesondere die Kontraste des Hungertuchs regen den Geistlichen zum Nachdenken und zur Meditation an.

Hoffnungsvolle Symbole
"Den verzweifelten Hilfeschreien einer Seite des Motivs stellt der Künstler auf der anderen Seite hoffnungsvolle Symbole gegenüber. Die abgebildeten Menschen sind ein großes Zeichen der freudestiftenden Gemeinschaft, die man im Christsein erleben kann", erklärt Ihuoma beim Blick auf das Tuch, das ihn in seiner alltäglichen Arbeit mit den Gläubigen künftig begleiten wird.

Die schöpferische Hand Gottes und der Blick auf die Osterkerze, die das Licht Christi für alle Völker darstellt, seien in einer gelungenen Synthese zur Schau gestellt. "Wenn wir uns auf die Schöpfung besinnen, müssen wir auch auf den Schöpfer schauen." Und die Schöpfung sei allemal bedroht.

Dem Künstler Tony Nwachukwu gelinge es, mit einfachen Mitteln neben der Darstellung biblischer Szenen einen Bezug zur Bedrohung der Schöpfung herzustellen. Das Tuch mahne zu einem veränderten Verantwortungsbewusstsein, betont Ihuoma. Wenngleich sechs abgebildete menschliche Antlitze auf die Menschen aller Nationen und Religionen verweisen sollen, erkennt der afrikanische Theologe klare Bezüge zu seiner nigerianischen Heimat.

"Wir lieben bunte Farben und die Natur. Darauf hat der Gestalter des Misereor-Hungertuchs großen Wert gelegt." Braune Lehmhütten inmitten vielfältiger Farbenkompositionen sind für Ihuoma symbolkräftige Zeichen der von Fröhlichkeit, aber auch von Armut und Hunger durchdrungenen nigerianischen Kultur. Der Gesichtsausdruck eines afrikanischen Jungen am linken unteren Bildrand mache sensibel für Unglück und Ungerechtigkeit, die gerade in seiner Heimat keine Fremdwörter seien, bemerkt Ihuoma und kann seinen inneren Zorn dabei kaum verbergen. "Wenn ich an die vielen hungernden Menschen dieser Welt denke und dann weiß, dass die Menschheit doch über entsprechende Ressourcen verfügt, möchte ich handeln und das Unheil lindern", lautet das unmissverständliche Credo des weltgewandten Priesters.

Suche nach religiösen Antworten
Die Menschen in Nigeria seien im Umgang mit ihren Sorgen und Ängsten viel stärker von der biblischen Botschaft inspiriert als man das in weiten Teilen Mitteleuropas gewohnt sei. "In meiner Heimat suchen sie immer nach religiösen Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens." Sylvester Ihuoma glaubt, genau in diesem Punkt eine zentrale Botschaft des Hungertuchs finden zu können. "Wir müssen uns in unserem Leben vielleicht stärker auf die Religion konzentrieren und uns auf unsere Ursprünge besinnen", sagt er und erinnert im gleichen Atemzug an die Verantwortung ganzer Gemeinschaften für die Zukunft der Erde.

Gemeinden, die sich von der Hoffnung tragen ließen, seien fähig, auch den großen globalen Problemen der Menschheit entschieden entgegenzuwirken. Schließlich sei die Bewahrung der Schöpfung nicht nur die Aufgabe einiger weniger mächtiger Staatsmänner. "Wenn die Menschen von innen her umdenken, wird das dem Willen Gottes entsprechen", ist sich Ihuoma sicher. Das Hungertuch des Hilfswerks Misereor sei ein beeindruckendes Werk, das durch und durch tiefgründigen Charakter besitze und die Menschen berühre.